Heiko Strüber beim 20-Kampf in Heiloo

July 10, 2015

Die Sonne war schon lange untergegangen, als Heiko Strüber vom Osnabrücker TB
überglücklich die 20. Disziplin hinter sich brachte: 10.000 m in sehr guten 44:47,5
Minuten waren um 23.10 Uhr der Schlusspunkt einer Extremherausforderung, für die
der 48jährige ins niederländische Heiloo (nahe Alkmaar) Ende Juni gereist war: 20
Disziplinen an einem Tag!

„Die Herausforderung ist, dass man alles unter einen Hut
kriegt, sprich die lange Strecke laufen kann, die kurze zwischendurch muss.“
Der Ultramehrkampf ist das härteste, was die Stadion-Leichtathletik zu bieten hat:
doppelt so viele Disziplinen wie im Zehnkampf der Männer. Dabei nennt man die
schon „Könige der Leichtathleten! Zum 20-Kampf gehören allein zwölf Laufdisziplinen
von 100 bis 10.000 Meter. Hinzu kommen acht technische Disziplinen im
Sprung und Wurf. Die Akteure nennen sich wegen der ständigen Übersäuerung auch
„Laktat-Junkies“. Keinesfalls eine Übertreibung, zumal der Zeitplan nur höchstens
zehn bis 20minütige Verschnaufpause zwischen den Wettbewerben lässt.
Morgens um acht Uhr ging es an den 100m-Lauf (Strüber; 14,29 Sek), danach
„hangelten“ sich die 14 „Ultras“ (aus Belgien, der Niederlande, Italien und
Großbritannien) – mit Strüber als einzigem deutschen Athleten - über Weitsprung,
den selten gelaufenen 200m-Hürden, Kugelstoßen immer weiter durch den Tag.
Der Osnabrücker zeigte vor allem auf den Mittel- und Langstrecken eine prima
Renneinteilung, er steigerte sein Tempo von Runde zu Runde, so dass er viele
Laufpunkte sammeln konnte. Er holte in der sechsten Disziplin 800m beachtliche
2:36 Minuten, die viele seiner Altersgenossen selbst im ausgeruhten Zustand nicht
schaffen würden. Er brachte es im 3.000m-Hindernislauf (10. Disz.) auf starke 12:49
Minuten und zeigte sich als Ästhet an den Hindernissen, wo andere Läufer viele
Sekunden liegen ließen. Auch mit 2,90m beim Stabhochsprung (14. Disz.) konnte er
zufrieden sein. Beachtlich auch die 21-Meter im Hammerwurf, die mehr als die Hälfte
der Ausdauersportler nicht schafften.
Nach insgesamt 15 Stunden und zehn Minuten Wettkampf hatte der Osnabrücker
sein Tagesziel erreicht. Er wollte 9.000 Punkte, es gab sogar 23 Zähler mehr. Nur
vier der 14 Teilnehmer (zumeist gelernte Marathonis und Triathleten) hatten mehr auf
dem Punktekonto als Strüber. Der belgische Gesamtsieger Frederick Xhonneux
(12.363 Pkte.) ist immerhin Olympiateilnehmer und hat eine Zehnkampf-Bestleistung
von mehr als 8.100 Punkten. Der 31jährige Xhonneux war nach 20 Disziplinen
physisch derart fertig, dass er am nächsten Tag buchstäblich am Stock ging. Bei
Heiko Strüber hingegen war es normaler Muskelkater. Er steckte den Wettkampf bei
idealen äußeren Bedingungen sehr gut weg und war mit 48 längst nicht der älteste
im Feld. Der Brite Pete Clark ist stolze 71 Jahre alt. Warum der sich im
fortgeschrittenen Alter solchen Wettkampfstress an einem Tag antut, erklärte er
britisch lakonisch:
Ich finde es einfacher als an zwei Tagen, weil man nicht Sonntagmorgens
aufwacht und denkt: Oh 110-Meter Hürden! An einem Tag ist alles vorbei!
Auch Heiko Strüber hat noch lange nicht die Nase voll vom Ein-Tages-20-Kampf.
Oder?
Die Frage stellt sich nicht, denn so ein Tages-20--Kampf wird derart selten
angeboten, der letzte war vor fünf Jahren. Wenn dann in fünf Jahren mal wieder
einer stattfindet, da werde ich wieder mitmachen!

 

Heiko Strüber beim Weitsprung

 

Die 10. von 20 Disziplinen: 3000m Hindernis

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