Heiko Strüber beim 20-Kampf in Heiloo

Die Sonne war schon lange untergegangen, als Heiko Strüber vom Osnabrücker TB überglücklich die 20. Disziplin hinter sich brachte: 10.000 m in sehr guten 44:47,5 Minuten waren um 23.10 Uhr der Schlusspunkt einer Extremherausforderung, für die der 48jährige ins niederländische Heiloo (nahe Alkmaar) Ende Juni gereist war: 20 Disziplinen an einem Tag!

„Die Herausforderung ist, dass man alles unter einen Hut kriegt, sprich die lange Strecke laufen kann, die kurze zwischendurch muss.“ Der Ultramehrkampf ist das härteste, was die Stadion-Leichtathletik zu bieten hat: doppelt so viele Disziplinen wie im Zehnkampf der Männer. Dabei nennt man die schon „Könige der Leichtathleten! Zum 20-Kampf gehören allein zwölf Laufdisziplinen von 100 bis 10.000 Meter. Hinzu kommen acht technische Disziplinen im Sprung und Wurf. Die Akteure nennen sich wegen der ständigen Übersäuerung auch „Laktat-Junkies“. Keinesfalls eine Übertreibung, zumal der Zeitplan nur höchstens zehn bis 20minütige Verschnaufpause zwischen den Wettbewerben lässt. Morgens um acht Uhr ging es an den 100m-Lauf (Strüber; 14,29 Sek), danach „hangelten“ sich die 14 „Ultras“ (aus Belgien, der Niederlande, Italien und Großbritannien) – mit Strüber als einzigem deutschen Athleten - über Weitsprung, den selten gelaufenen 200m-Hürden, Kugelstoßen immer weiter durch den Tag. Der Osnabrücker zeigte vor allem auf den Mittel- und Langstrecken eine prima Renneinteilung, er steigerte sein Tempo von Runde zu Runde, so dass er viele Laufpunkte sammeln konnte. Er holte in der sechsten Disziplin 800m beachtliche 2:36 Minuten, die viele seiner Altersgenossen selbst im ausgeruhten Zustand nicht schaffen würden. Er brachte es im 3.000m-Hindernislauf (10. Disz.) auf starke 12:49 Minuten und zeigte sich als Ästhet an den Hindernissen, wo andere Läufer viele Sekunden liegen ließen. Auch mit 2,90m beim Stabhochsprung (14. Disz.) konnte er zufrieden sein. Beachtlich auch die 21-Meter im Hammerwurf, die mehr als die Hälfte der Ausdauersportler nicht schafften. Nach insgesamt 15 Stunden und zehn Minuten Wettkampf hatte der Osnabrücker sein Tagesziel erreicht. Er wollte 9.000 Punkte, es gab sogar 23 Zähler mehr. Nur vier der 14 Teilnehmer (zumeist gelernte Marathonis und Triathleten) hatten mehr auf dem Punktekonto als Strüber. Der belgische Gesamtsieger Frederick Xhonneux (12.363 Pkte.) ist immerhin Olympiateilnehmer und hat eine Zehnkampf-Bestleistung von mehr als 8.100 Punkten. Der 31jährige Xhonneux war nach 20 Disziplinen physisch derart fertig, dass er am nächsten Tag buchstäblich am Stock ging. Bei Heiko Strüber hingegen war es normaler Muskelkater. Er steckte den Wettkampf bei idealen äußeren Bedingungen sehr gut weg und war mit 48 längst nicht der älteste im Feld. Der Brite Pete Clark ist stolze 71 Jahre alt. Warum der sich im fortgeschrittenen Alter solchen Wettkampfstress an einem Tag antut, erklärte er britisch lakonisch: Ich finde es einfacher als an zwei Tagen, weil man nicht Sonntagmorgens aufwacht und denkt: Oh 110-Meter Hürden! An einem Tag ist alles vorbei! Auch Heiko Strüber hat noch lange nicht die Nase voll vom Ein-Tages-20-Kampf. Oder? Die Frage stellt sich nicht, denn so ein Tages-20--Kampf wird derart selten angeboten, der letzte war vor fünf Jahren. Wenn dann in fünf Jahren mal wieder einer stattfindet, da werde ich wieder mitmachen!

Heiko Strüber beim Weitsprung

Die 10. von 20 Disziplinen: 3000m Hindernis

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