Magazin/Gastbeitrag: Johannes Riemann

Über Johannes:

Johannes Riemann – bei uns im OTB kurz „Joey“ genannt – ist ein Musterbeispiel dafür, was man durch Kontinuität, durch Fleiß, durch Leidenschaft gepaart mit Spaß an der Sache - in diesem Fall die Leichtathletik - alles erreichen kann. Joey kam mit Sicherheit nicht als Jahrhunderttalent in unsere Trainingsgruppe, sondern er mußte für seine guten Leistungen hart trainieren. Auch durch diverse Rückschläge ließ sich der 110 m Hürdenläufer nicht aus der Bahn werfen. Im Gegenteil, er versuchte in diesen schwierigen Situationen immer noch etwas positives für sich daraus zu ziehen. Seine positive Lebenseinstellung mit den oben genannten Eigenschaften, seine Freundlichkeit und sein sympatisches Auftreten machen Joey – obwohl er selbst erst 25 Jahre jung ist - zu einem Vorbild für unsere Schüler und Jugendlichen. Joey war und ist ein Glücksfall für unsere Leichtathletikabteilung.

Kommentar von Friedhelm Peselmann

Warum Leidenschaft und Spaß das wahre Talent sind

Als ich vor gut 12 Jahren mit meinem Vater zusammen dass erste mal auf der Illoshöhe stand, hätte ich mir in meinen kühnsten Träumen nicht Vorstellen können was ich bis 2016 alles erleben würde. Ich wusste nicht einmal das aus dem Jungen der am gleichen Tag, ebenfalls mit seinem Vater, vorbei schaute, einer meiner besten Freunde werden sollte.

Als 13-jähriger Teenager der gerade nach Osnabrück gezogen war, wollte ich einfach nur Anschluss finden und Spaß haben. Auch wenn ich alles andere als gut war, konnte ich mich nur selten von der Bahn, die mein zweites Zuhause werden sollte, fern halten.

Ich war klein und schmächtig, nicht besonders schnell und wirklich stark war ich auch nicht. Im Grunde ein hoffnungsloser Fall. Über die Jugend Jahre musste ich viel einstecken, noch mehr verlieren und nach immer wiederkehrenden Verletzungen wieder aufstehen und weiter machen. Aufhören war für mich nie ein Option, denn es machte ja Spaß. Genau diese Einstellung erlaubte es mir mit Beginn der A-Jugend zu zeigen was in mir Steckte. Mittlerweile hatte ich Körperlich aufgeholt, war schneller und auch ein bisschen Stärker geworden. Während viele meiner Weggefährten zwar früh Erfolge feierten, schmiss einer nach dem anderen aus verschiedensten Gründen das Handtuch.

Doch ich musste lernen das Durchsetzungsvermögen, Leidenschaft und Fleiß die größeren Erfolgsgaranten sind.

7 Jahre nach meinen ersten Schritten auf der Illoshöhe war ich auf meinem persönlichen Olymp angekommen, und dachte, „besser kann es nicht mehr werden“. Von heute auf morgen war ich einer der schnellsten Jugend Sprinter in Niedersachsen und hatte meine ersten Qualifikationen für Deutsche Jugend Meisterschaften in der Tasche.

Doch auf dem Höhepunkt meiner OTB Karriere wurde mein Charakter einmal mehr geprüft. Unmittelbar vor der DM riss ich mir bei einem Unfall das rechte Kreuzband. Von 100 auf 0 ganz schnell. Aus. Schluss. Vorbei. Im vorhinein hatte ich mit dem Gedanken gespielt die Spikes nach der Jugend DM an den Nagel zu hängen. Doch so wollte ich nicht aufhören. In den kommenden 6 Monaten quälte ich mich wie nie zu vor und stand im Januar wieder voll genesen auf der Bahn und hielt in meinen Händen ein Sportstipendium in den USA. Ohne die Geilheit auf die Leichtathletik und den Spaß an der Quälerei, wäre ich so nicht wieder gekommen. Den Traum den ich die letzten 4 Jahre in den USA gelebt hatte, wäre ohne all das nur einer geblieben.

Auch in den USA lief nicht immer alles nach dem 0815 Prinzip, aber es war spannend und hat vom ersten bis zum letzten Tag Spaß gemacht. Gleichzeitig habe ich die Chance bekommen mein englisch zu perfektionieren, Freundschaften in aller Welt zu schließen, mich Sportlich in eine ganz andere Dimension zu entwickeln, und nebenher noch einen Uni Abschluss zu machen. Die letzten vier Jahre wird mir keiner mehr nehmen können. Die Erfahrungen die ich gemacht habe werden mich mein Leben lang begleiten. Der einzige der mir all das hätte nehmen können, war ich selbst. Wenn ich nicht die Leidenschaft für die Leichtathletik gehabt hätte, wäre ich nie so weit gekommen.

Was ich damit jedem jungen Athleten und Menschen sagen möchte: Es lohnt sich dran zu bleiben und nicht gleich bei dem kleinsten Hindernis aufzugeben. Wenn ich das gemacht hätte, wär ich sowohl im Sport als auch im Leben nicht da wo ich heute bin. Ich weiß dass es manchmal schmerzt, anstrengend oder nervig ist, aber es lohnt sich seine Sache durchzuziehen. In meinem Fall war es der Sport, in eurem ist es vielleicht die Musik, Kunst oder etwas ganz anderes. Egal was es ist, seid Leidenschaftlich und habt Spaß, denn wenn ihr das seid lernt ihr euch zu quälen und durchzubeißen, entwickelt eine mentale und körperliche Stärke die eure Leidenschaft zu etwas ganz besonderen macht. Es lohnt sich, denn darauf werdet ihr nicht nur ein Leben lang stolz sein, sondern werdet davon auch in den verschiedensten Lebenssituationen profitieren.

Johannes Riemann, Juli 2016

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