Gastbeitrag: Maik Wollherr - Marathonvorbereitung


Tina Böhm über ihren Bruder Maik Wollherr:

Bereits seit über einem Jahrzehnt ist Maik Wollherr eine bekannte Größe im niedersächsischen Laufsport. In den vergangenen Jahren erwies er seine Stärke auf den 3000m Hindernissen (pB 8:53,88 Min./4. Platz, DM 2013 / Deutscher U23 Meister 2007), wodurch für die Kenner klar wird, dass Maik kein Typ ist, der sich den einfachen Weg sucht. Sein Marathondebüt erfolgte in der Zwischenzeit 2011 in Berlin mit einer Zeit von 2:31,50 Stunden., die er im darauffolgenden Jahr auf 2:28,22 Stunden. verbesserte.

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In meiner Playlist heißt es in einem Titel "bin entweder gigantisch, kämpfe mit Riesen, fühl mich wie der König der Welt. Oder mein Tag ist unendlich beschissen, eintönig und nervt. Doch nie geht´s mir so lala." Und so steige ich morgens aus dem Bett, gerädert vom gestrigen Trainingstag, den vergangenen Trainingstagen und den zurückliegenden Trainingswochen, weiß mit dem ersten Bodenkontakt ob ich heute mit den Riesen kämpfe oder mich vor den Zwergen verstecke.

Heute kämpfe ich mit Riesen. Meine letzte Marathonvorbereitung liegt genau 4 Jahre zurück und in den 4 Jahren habe ich wirklich vergessen, was es bedeutet so ein Unternehmen durchzustehen. 30km am Tag. Wenn man sie simpel aufteilt, macht das 15km morgens und 15km abends. Macht auf der Uhr 60 Minuten vor der Arbeit und 60 Minuten nach der Arbeit. Klingt zunächst machbar.

Wenn es da nicht noch das viele drum herum gebe. Und das gibt es. Laufschule, Lauftechnik, Sprints. Kraft, diese Liste lässt sich noch viele Zeilen weiterführen. Seit Juni steht der Plan für den Berlin-Marathon.

Seit langer Zeit nicht aus der eigenen Feder, sondern aus der meines guten Freundes Tobias Singer, auf den ich Mitte des Jahres mit der Bitte zuging, meine Trainingsplanung in die Hand zu nehmen. Ohne zu zögern, sagte er mir zu und seither rollt die Maschine vorwärts. Mal giganisch, mal unendlich beschissen. Doch immer mit Tobis Zuversicht "alles gut" und dieser Vision vertraue ich blind. Nach vielen Jahren des selbstständigen Planens und Trainierens auf eigene Faust, befreit es mich, einfach nur zu machen, Teil einer großartigen Laufgruppe zu sein, in die man sich reinhängen kann, wenn ein Training nicht so will, wie man sich das selbst vorgestellt hat. So lässt es sich laufen, ganz egal wie viele Kilometer sich in der wöchentlich aktualisierten Exceltabelle sammeln.

Steht da 40km, laufe ich 40km. Kein "können wir nicht", kein "ist das nicht ganz schön viel", kein "muss das sein?". Waren es am Anfang noch 16 Wochen bis Ende September, haben sich mittlerweile nicht nur die Tage verkürzt, auch das lange Warten auf den Tag X fügt sich langsam in einen überschaubaren Zeitrahmen. Nur noch 3 Wochen bis zum diesjährigen Berlin-Marathon, der Großteil unserer Vorbereitung liegt bereits hinter uns und doch sind es noch genügend Tage, um das ganze Vorhaben an die Wand zu fahren. Entweder gigantisch oder unendlich beschissen.

Jede freie Minute ist kostbar, jede halbe Stunde mehr Schlaf ein Geschenk an den Körper, der in den vergangene Wochen soviel geleistet hat wie niemals zuvor. Eben ganz oder gar nicht, aber nie so lala.

Foto: Andreas Schwarz

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