Anekdoten 39 Jahre Silvesterlauf

Der erste OTB-Silvesterlauf wurde von Helmut Mylnek am 31. Dezember 1980 ins Leben gerufen. 102 Läuferinnen und Läufer versammelten sich seinerzeit an der Startlinie vor dem OTB-Vereinsgebäude und verabschiedeten das alte Jahre auf sportliche Weise. Unter ihnen war mit der OTBerin Jutta Helmich (Karsch) auch die Rekordseriensiegerin der vergangenen Jahre, die sich in den folgenden Jahren nicht weniger als neunmal in die Siegerliste über 10km eintragen konnte – so häufig wie kein anderer auf dieser Stecke.

Bereits 1981 bei der zweiten Auflage wurde neben der 10km-Strecke noch eine Kurzstrecke ins Programm über 5,6 km aufgenommen. Seitdem hat sich die Kurzstrecke als beliebte Alternative zum 10km-Lauf entwickelt. Später kam dann noch eine Walkingstrecke ohne Zeitnahme hinzu.

Ins Staunen geriet Helmut Mylnek bei der dritten Auflage: Gerade wollte der „Silvesterlauforganisator der ersten Stunde“ die Startpistole heben, da setzte ein verfrühter Silvesterböller die gesamt Läuferschar in Bewegung.

In den Anfangsjahren fiel der Startschuss zum Silvesterlauf erst um 14.00 Uhr. Mit den Vorbereitungen im und vor dem Vereinsgebäude wurde drei Stunden vorher begonnen. Die Anmeldung erfolgte im Kantinenraum des OTB und die Anmeldebögen waren kleine orangene Abreißzettel, gesponsert von der AOK. Später wurde dann wurde die Anmeldung in Halle 1 und Halle 3 verlegt. Da sich immer mehr Läuferinnen und Läufer anmeldeten, war das OTB-Vereinsgebäude kurz vor dem Start oft hoffnungslos überstopft.

Beim 4. Silvesterlauf nahmen bereits rund 450 Teilnehmer teil und mit Helmut Schweer stellte ein Läufer mit 30:34 Minuten einen Streckenrekord auf, der erst 2004 gebrochen werden sollte. Unser heutiger Mittelstreckentrainer Michael Karsch lief - begleitet von Pinscher-Hündin „Susi“ – zunächst vor und sperrte an der Rheiner Landstraße händisch ab – eine Absperrung durch die Polizei gab es seinerzeit noch nicht.

1987 hielt erneut Helmut Mylnek die Pistole für den Startschuss in die Höhe. Doch die Pistole versagte ihren Dienst und so reichte ein mündliches „Peng“, um die Läuferschar auf die Piste zu schicken.

Internationales Flair hatte der Silvesterlauf von Beginn an; Läuferinnen und Läufer aus ganz Europa und sogar aus Übersee nahmen gerne am „Internationalen Silvesterlauf“ – so die damalige Bezeichnung – teil. Ein Novum für die Osnabrücker Straßenlaufszene war jedoch, dass 1988 mit Renita da Salva eine brasilianische Spitzenläuferin siegte. Und dies, obwohl der OTB es bis zum heutigen Tage ablehnt, Antrittsgelder an internationale Spitzenläuferinnen und –läufer zu bezahlen.

Tierisch ernst ging es beim OTB-Silvesterlauf eigentlich nie zu, wenngleich schon zahlreiche Vierbeiner mit Startnummern – wie zum Beispiel 1988 - an den Start gegangen sind und so manche Läuferin oder so mancher Läufer sich ein „tierisches“ Vorbild bei seiner Verkleidung – es konnten schon zahlreiche Glücksschweine gesichtet werden – gewählt hat. Apropos Verkleidungen: Ob Panzerknacker, mexikanische Gauchos oder Schornsteinfeger – fast bei jeder Auflage des Silvesterlaufes sind phantasievolle Kostüme zu bewundern.

1989 wurden die Organisatoren von dem großen Andrang überrascht, dass ihnen am Ende die Teilnehmermedaillen ausgingen. Bei den Herren siegte Christian Schieber aus Berlin, aber bemerkenswerter war es, dass erstmalig und natürlich auch letztmalig Läuferinnen und Läufer aus der DDR am Start waren.

1990 hatte der Silvesterlauf bei den Damen über die Kurstrecke gleich zwei Siegerinnen. Alexandra Krüger und Barbara Brandenburg liefen zeitgleich in Ziel. Ein Jahr später erzielte Barbara Brandenburg dann den bis heute gültigen Streckenrekord über die 5,6km.

Ohne Freischwimmerschein ging 1993 nichts beim Silvesterlauf. Wochenlange Regenfälle hatten auch die Laufwege rund um den Rubbenbruchsee in eine Seenlandschaft verwandelt. Bis auf Wadenhöhe war der Pegel auf der Strecke angestiegen und bescherte den Läuferinnen und Läufern buchstäblich einen feucht-fröhlichen Jahresabschluss. Da auch die Zeitnehmer mit ihren Stoppuhren den Wassermassen zum Opfer fielen, musste auf eine seriöse Zeitauswertung verzichtet werden.

1994 trug sich mit Jan Fitschen vom OTB erstmalig ein junger Nachwuchsläufer in die Siegerlisten ein, der später als Studentenweltmeister und 10.000m-Europameister eine beachtliche Karriere vollziehen sollte und beim Silvesterlauf insgesamt – verteilt auf Kurz- und Langstrecke - achtmal siegte. In dieser Zeit wurde auch der erste PC aus dem privaten Besitz des heutigen Präsidenten zur Teilnehmererfassung eingesetzt. Die Zeit wurde noch manuell mit Stoppuhren gemessen und der Start erfolgte noch um 14.00 Uhr. Die Ergebnisliste wurde von Hand getippt und konnte erst Tage nach dem Lauf im OTB eingesehen werden. Zum Aufbau trafen sich die rund 15 Helferinnen und Helfer rund 4 Stunden vor der Veranstaltung und für das anschließende gemütliche Zusammensein reichte die Kantine des OTB vollkommen aus. Das Startgeld betrug 3 DM und musste bei Abholung der Startunterlagen entrichtet werden.

Mit den steigenden Teilnehmerzahlen entschloss sich Reinhold Tegeder – der 1996 die Organisation des Laufes übernommen hatte - das Chipzeitmesssystem einzuführen. Mit der neuen Technik können nun problemlos die ständig wachsenden Teilnehmerfelder bewältigt werden, die die Organisatoren in den Jahren zuvor vor fast unlösbare Probleme gestellte hatten. Zur Einweisung reiste 1996 eine dreiköpfige Delegation zu einem Einführungslehrgang nach Bergisch-Gladbach, um sich dort durch die Firma Mika-Timing in die Technik einweisen zu lassen. Seinerzeit knüpften die OTBer auch Kontakte zu der Firma Alms, die heute noch die Zeitmessung für den OTB übernimmt. Später wurde der Start um 2 Stunden auf 12.00 Uhr vorgezogen.

2004 verzichtete der OTB auf die bewährte Tombola und spendete die Preise für die Flutopfer in Südostasien. Ein Erdbeben im Indischen Ozean am 26. Dezember 2004 hatte einen verheerenden Tsunami an den Küsten des Indischen Ozeans ausgelöst. Jan Fitschen unterbot beim Comeback nach Verletzungspause den Streckenrekord über 10 km und sollte wenige Monate später Studentenweltmeister und 1 Jahr später in Göteborg Europameister über 10.000m werden.

Im Jahr 2005 gab es zum Jahreswechsel typisches Osnabrücker Matschwetter. Etwas Schneematsch und Eis, etwas Regen und Nebel. Es siegte über 10 km Torben Grothaus vom TV Wattenscheid. Im Folgejahr konnte er seinen Titel allerdings nicht verteidigen, weil er mit zehnminütiger Verspätung den Start erreichte.

Mit dem Bau der Halle 13 im Jahr 2006 konnte die Anmeldung vom Hauptgebäude in die ebenliegende „Kalthalle“ – so die damalige Bezeichnung – verlegt werden. Das jahrelange Gedränge im Hauptgebäude fand so ein Ende.

2009 war Osnabrück unter einer dicken Schneedecke versunken. Tagelange Schneefälle bescherten den Osnabrückern nicht nur eine tiefverschneite weiße Weihnacht, sondern auch eine durchgehend weiße Laufpiste. Am Vortag waren die Streckenposten neun Stunden unterwegs, um die Strecke einigermaßen belaufbar zu machen. Allen Widrigkeiten zu Trotz kamen aber alle Läuferinnen und Läufer heile ins Ziel und beim Bambinilauf zog es sich so manches verkapptes Lauftalent vor, sich mit großem Spaß durch seine Eltern auf dem Schlitten durchs Ziel ziehen zu lassen.

Im Jahr 2010 musste der Silvesterlauf wegen Eisglätte abgesagt werden. Am frühen Morgen gegen 6.00 Uhr des Silvestertages hatte ein feiner Sprühregen den tagelang festgefrorenen Boden zu einer spiegelglatten Eisfläche verwandelt. Nach einer Streckenbegehung entschieden die seinerzeit Verantwortlichen um Gunnar Kraus und Gerald Nolte das „Aus“ für den Silvesterlauf – Laufen war für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer schlicht zu gefährlich. Viele enttäuschte Gesichter, aber durchweg Verständnis gab es für diese unpopuläre Entscheidung. Die 2000 Berliner, die für die Veranstaltung geordert waren, mussten anderweitig verzehrt werden.

2012 wurde der Bambinilauf und 2014 der inklusive Jedermannlauf jeweils ohne Zeitmessung eingeführt. Ein weiteres Novum gab es 2012 ebenfalls. Die Deutsche Marathonmeisterin Ilona Pfeiffer von der LC Solbad Ravensberg siegte erst beim OTB, um direkt anschließend zu einem weiteren Silvesterlauf nach Gütersloh zu fahren. Natürlich siegte sie auch dort und feierte an einem Tag zwei Silvesterlaufsiege. Aufgrund stetig steigender Teilnehmerzahlen ist die Teilnahme mittlerweile nur noch nach Voranmeldung und Bezahlung des Startgeldes im Voraus möglich. Außerdem wurde die Teilnehmerzahl der drei Hauptläufe auf zusammen maximal 3000 Läufer begrenzt.

Der Bambinilauf und der Jedermannlauf finden direkt am Vereinsgelände des OTB an bzw. im Sportpark Illoshöhe statt. Die Strecken der drei größeren Distanzen starten und enden ebenfalls am Vereinsgelände und führen durch ein Naherholungsgebiet im Westen Osnabrücks, u. a. am Heger Friedhof, am Rubbenbruchsee und am Klinikum Osnabrück vorbei.

2018 gab es dann ein weiteres Novum beim Silvesterlauf: Florian Siebelmann bog kurz vor der Ziellinie zu den Zuschauern an der Seitenlinie ab – und ging dann vor seiner Freundin Sina Hilken auf die Knie um ihr einen Heiratsantrag zu machen. Die Familien waren eingeweiht, nur die spätere Braut hatte zuvor nichts gemerkt.

Ein Name ist untrennbar mit dem OTB-Silvesterlauf verbunden: Andreas Ungemach vom SC Schölerberg hat an allen 39 bisherigen Silvesterläufen teilgenommen und wird voraussichtlich auch beim Jubiläumslauf nicht fehlen. Vielen Dank für diese bemerkenswerte Treue!

Streckenrekorde

10,0 km Männer: 30:08 min, Jan Fitschen, 2004

10,0 km Frauen: 34:45 min, Jutta Karsch, 1991

5,6 km Männer: 16,56 min, Frank Lauxtermann, 1987

5,6 km Frauen: 20,07 min, Barbara Brandenburg, 1991

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