Silvesterlauf - Sehenswürdigkeiten am Rande der Strecke

December 19, 2019

Sehenswürdigkeiten beim Silvesterlauf

 

 

Für die einen geht es um Minuten und Sekunden, die anderen wollen zum Jahresende noch einmal etwas für die Gesundheit tun und wiederum andere wollen beim Silvesterlauf einfach nur Spaß haben. Wer aber mit offenen Augen die Strecke durch Heger- und Natruper Holz läuft, der kann durchaus auch einige Osnabrücker Sehenswürdigkeiten genießen.

 

 

Punkt 1: Der schiefe Turm von Osnabrück

 

Nach ca. 600 gelaufenen Metern kann man den alten Glockenturm des Heger Friedhofs sehen – den schiefen Turm von Osnabrück. Als im Jahr 1961 der neue Glockenturm am Rande des internationalen Ehrenfeldes gebaut wurde, sollte der alte Glockenturm dem Erdboden gleich gemacht werden. Auch damals neigte sich das Bauwerk schon sichtlich gen Norden. „Der Abbruch des alten Glockenturms wurde erwogen, weil er schief ist und das stählerne Geläut die Trauergemeinde auf dem Wege von der Kapelle zum Friedhof empfindlich stört“, heißt es im Osnabrücker Tageblatt vom 16. Februar 1961. In der Tat hat der neue Glockenturm diese Aufgabe übernommen, sein Vorgänger steht jedoch bis heute. Vor dem Abriss bewahrt ihn der Denkmalschutz, unter dessen Schutzmantel das gesamte im Jahr 1936 errichtete Ensemble mit Trauerhalle und Co. steht. Warum sich das denkmalgeschützte Bauwerk neigt, weiß keiner so richtig. Doch Gefahr besteht nach Angaben des Osnabrücker Servicebetriebs (OSB) nicht.

 

 

Punkt 2: Trotzenburg mit Lodtmannsquelle

 

Nach ca. 1 km durchläuft man die „Trotzenburg“. Die Trotzenburg ist allerdings keine richtige Burg, sondern eine Baumallee mit knorrigen Linden, die am Rande des Heger Friedhofs von der Rheiner Landstraße zum Finkenhügel führt. Dort gibt es eine Besonderheit, die kaum einer kennt: die Lodtmannsquelle im Haus von Nr. 24. Die Quelle selbst gehört der Heger Laischaft. Über Jahrhunderte diente sie als Tränke fürs Vieh, das vor den Toren der Stadt weidete. Heute ist der Garten privat, die Quelle kann aber besichtigt werden.

 

Punkt 3: Heger Friedhof

 

Nachdem man die Trotzenburg durchlaufen hat, biegt man links in den Lotter Kirchweg ein. Linkerhand liegt der im Jahr 1925 eröffnete Heger Friedhof, der mit 270000 Quadratmetern der größte Osnabrücker Friedhof ist. Er verfügt über zwei schöne Trauerhallen. Die neue, 1936 gebaute Halle an der Rheiner Landstraße steht unter Denkmalschutz. Die ältere, im Jahr 1925 errichtete Trauerhalle wurde in den Jahren 2008/2009 komplett saniert und wieder in Betrieb genommen. 17 Abteilungen bieten auch künftig ausreichend Raum für eine würdige Totenruhe. Direkt angrenzend an den Heger Friedhof befindet sich am mittleren Eingang des Lotter Kirchweges der "neue" jüdische Friedhof. Dieser wird selbstständig durch die jüdische Gemeinde verwaltet und unterhalten. Ein Glockenturm sowie sechs Ehrenfelder für Gefallene verschiedener Nationen des Zweiten Weltkriegs sind Stationen der regelmäßig stattfindenden Friedhofsführungen. Der Heger Friedhof bietet als einziger Friedhof in Osnabrück eine anonyme Bestattungsform an.

 

Punkt 4: Heger Holz

 

Das Heger-Holz ist zusammen mit dem Natruper Holz ein ca. 300 Jahre alter Wald, der durch die Heger Laischaft verwaltet wird. Die Heger Laischaft ist seit 1560 nachweisbar. In ihr waren die Bürger zusammengeschlossen, die Anteile am Heger Holz besaßen, einem damals außerhalb der Stadtmauern gelegenen Wald. Sie bewirtschafteten auch gemeinsame Weidegründe. Die Heger Laischaft richtet noch immer den Schnatgang aus, der im 19. Jahrhundert zu einem Traditionsfest wurde und jetzt mit einem sieben Tage dauernden Volksfest verbunden ist. Schnat ist der niederdeutsche Begriff für Grenze. Beim Schnatgang wurden die Grenzen der gemeinsam bewirtschafteten Flächen abgeschritten und diese damit kontrolliert. Der Begrüßungsgruß der Teilnehmer lautete und lautet „Olle use“ (Alles unseres). Er gab einer Osnabrücker Traditionskneipe ihren Namen. Der Schnatgang wird alle sieben Jahre veranstaltet, zuletzt im Jahr 2011. Heute ziehen die Teilnehmer gemeinsam ins Heger Holz; das hinter dem Heger Tor gelegene Altstadtviertel wird aus diesem Anlass liebevoll geschmückt.

 

Punkt 5: Rubbenbruchsee

 

Nach ca. 2,5 km erreicht man den Rubbenbruchsee. Bereits 1937 hatte ein Gutachter vorgeschlagen, an der Stelle einen See auszubaggern. Die Idee wurde aber seinerzeit verworfen. Die Planungen für den See wurden von Professor Peucker und dem damaligen Grünflächenamt geführt. Großen Anteil am Zustandekommen eines Vertrages zwischen der Heger Laischaft, der das Eigentum an der Fläche hatte, und der Stadt Osnabrück hatte der damalige Buchhalter der Heger Laischaft Karl Kühling (1899-1985), zu dessen Ehren der Rundweg um den See den Namen Karl-Kühling-Weg erhalten hat. Die Ausbaggerungsarbeiten des Sandes am Rubbenbruch begannen 1968 im Zuge der Errichtung der Autobahn A 30. Seinerzeit wurden in dem See Teile von Mammutzähnen sowie Knochen vom Wallnashorn und Auerochsen gefunden. Der See ist Teil eines großen Naherholungsgebiets im Westen von Osnabrück. Er ist umgeben von Wald und Wiesen und ist besonders in den Sommermonaten ein beliebtes Ausflugsziel. Im Norden befindet sich Gastronomie und ein Minigolf-Platz, während im südlichen Teil die Landschaft naturbelassener ist. Hier befindet sich auch die einzige Insel auf dem See sowie ein Spielplatz und Grillmöglichkeiten. Die Größe des Rubbenbruchsees beträgt ungefähr 24 Hektar. Er hat zudem eine Länge von ungefähr 1,3 Kilometer und eine Breite von ca. 300 Metern. Seine Tiefe variiert zwischen zwei und 24 Metern. Der Rubbenbruch zeigt außerdem die Überbleibsel der alten Osnabrücker Landwehr. Durch das idyllische Flair des Rubbenbruchsees mitten im Stadtgebiet ist er gerade bei Joggern und Jugendlichen beliebt, aber gerade für Spaziergänge ist der See, mit einem Umfang von 3,1 Kilometern, sehr gut geeignet.

 

Punkt 6: Die historischen Baumgräber

 

Etwa zur Hälfte der 10km–Strecke biegt man in das Natruper Holz ein. Dort am Anfang finden sich auf der rechten Seite vier historische Baumgräber, die aus der Zeit von 1800-2000 v. C. stammen. Eine Schautafel liefert interessante Details über diese Gräber. Ein Stehenbleiben lohnt an dieser Stelle in jedem Fall!

 

Punkt 7: Am Tannenhof

 

Nur wenige hundert Meter weiter befindet sich inmitten des Natruper Holzes eine große Rasenfreifläche mit Handballtoren. Hier findet einmal im Jahr im August ein großer Kinderflohmarkt statt. Am Rande findet sich auch hier ein historisches Grab. Nur wenige Meter weiter, in der Straße „Am Tannenhof“, war früher die Jugendherberge in Osnabrück beheimatet.

 

Punkt 8: Schütterhaus – Das kleine Rathaus im Wald

 

Etwa nach 7,5 km erreichen die Läuferinnen und Läufer das Schütterhaus. Das „Kleine Rathaus im Wald" wurde 1948/1949 errichtet und beherbergt einen Repräsentationsraum der Heger Laischaft sowie eine Wohnung. Die Heger Laischaft ist seit 1560 belegt. In ihr waren die Bürger zusammengeschlossen, die gemeinsame Anteile an den außerhalb der Stadtmauern gelegenen Weidegründen bewirtschafteten. Die Heger Laischaft richtet noch immer den Schnatgang aus, der im 19. Jahrhundert zu einem Traditionsfest wurde und jetzt mit einem sieben Tage dauernden Volksfest verbunden ist. Der Begrüßungsgruß der Teilnehmer lautete und lautet „Olle use“ (Alles unseres). Er gab auch einer Osnabrücker Traditionskneipe ihren Namen. 2010 brach in der Remise des Schütterhauses ein Feuer aus und vernichtete zudem eine angrenzende Scheune. Durch das Eingreifen der Feuerwehr konnte verhindert werden, dass sich der Brand auch auf das Schütterhaus erstreckte.

 

 

Punkt 9: Das ehemalige Schweizerhaus

 

Zum Ende des Laufes, ca. 300 Meter vor dem Ziel, überquert man ein zweites Mal die Rheiner Landstraße. Hier schräg gegenüber liegt - umrahmt von einer baufälligen Mauer - ein brachliegendes Gelände, auf dem bis 1988 das sogenannte Schweizerhaus stand. Die „Restauration und Gartenwirtschaft“ wurde einst von Fritz Feldmann errichtet. Nach dem 2. Weltkrieg mauserte sich das Schweizerhaus zu einem beliebten Ausflugslokal. Der erste Sportpresseball in Osnabrück fand auf dem Parkett des Schweizerhaus-Saales statt, als Vorläufer der später in der Stadthalle und zuletzt im Theater gefeierten Großveranstaltungen. Im September 1950 hielten das Osnabrücker Tageblatt und der ADAC das erste Osnabrücker Seifenkistenrennen vor dem Schweizerhaus ab. Der obere Teil der Rheiner Landstraße wurde einen Sonntag lang für die 200 jungen Rennfahrer gesperrt. In den 1970er-Jahren hatte sich das Geschäftsmodell der Gartenwirtschaften an Ausfallstraßen in Stadtrandlage überholt. 1976 zog die alternative Diskothek „Hyde Park“ ein und entwickelte sich zu einem überregionalen Treffpunkt für alternative Musikfans von Hard- und Punkrock. 1979 verfügte die Stadt nach Anwohnerprotesten die Schließung des Hyde Parks. Damit waren die Betreiber und ihre Stammgäste nicht einverstanden, zumal kein Ersatz-Standort in Sicht war. Juristische Auseinandersetzungen zogen sich bis 1983 hin, als die Stadt schließlich den Bau gewaltsam räumen ließ. Die folgenden Krawalle schafften es bis in die Tagesschau. 1988 die heruntergekommene Bausubstanz des ehemaligen Schweizerhauses abreißen. Heute erinnert nur noch die Umgrenzungsmauer und ein brachliegendes Grundstück an diesen Teil der Osnabrücker Stadtgeschichte.

 

Punkt 10: Ernst-Sievers-Straße

 

Ernst Sievers war in den 20er und 30er Jahren Lehrer in Osnabrück und in zahlreichen Osnabrücker Sportvereinen tätig und zählte zu den anerkanntesten Übungsleitern der Stadt. Obwohl er nicht-jüdischer Staatsangehöriger war, übernahm er in den 20er Jahren die technische Leistung des jüdischen Turn- und Sportvereins Osnabrück. Dieser Verein war 1924 gegründet worden, da der seinerzeit größte Verein in Osnabrück - der Osnabrücker Turnverein (OTV) – die Ziele des Nationalsozialismus unterstützte und bereits 1924 aus antisemitischen Gründen alle Juden aus dem Verein ausschloss. 1933 wurde Sievers bei der Regierung angezeigt und aus dem Schuldienst entlassen. Der Jüdische Turn- und Sportverein wurde durch die NSDAP aufgelöst. Sievers wurde ins südliche Osnabrücker Land versetzt, überlebte den 2. Weltkrieg und verstarb in den 50er Jahren. Ca. 1946 verfasste Sievers ein aufschlussreiches Dossier für seine Personalakte:

„Schon bald nach dem Weltkriege begannen die sogenannten „Nationalen“ Kreise in Osnabrück die Hetze gegen alle demokratich Gesinnten. Eine führende Stellung nahm der Osnabrücker Turnverein ein. Dieser Verein der Deutschen Turnerschaft hatte die finanziell am sichersten Stehenden Juden (z.B. Flatauer, Nussbaum) als Mitglieder geworben und zu grossen Geldspenden veranlasst. 1923 tarnte sich die als staatsfeindlich verbotene „Orgesch“ (Organisation Escherich) als „Fechtabteilung“ des Osnabrücker Turnvereins unter Leitung von Fritz Frömbling, sen. (verstorben) und Wilhelm Pattberg, Heinrichstr. 43. Die Abteilung „Spiel und Sport“ des Osnabrücker Turnvereins, die zu 90% aus Demokraten bestand, wurde aus dem Osnabrücker Turnverein ausgeschlossen. Ich war sZt. „Sportlicher Leiter“ dieser Abteilung. Die Judenhetze begann auch im Osnabrücker Turnverein, der im Jahr 1924 alle Juden ausschloss. Ein „Jüdischer Turn- und Sportverein“ wurde gegründet. Ich übernahm die technische Leitung und behielt sie bis zur Auflösung dieses Vereins durch die NSDAP.“

 

Punkt 11: Die Schwedenhäuser an der Bredowstraße

 

Die Schwedenhäuser an der 292 Meter langen Bredowstraße – Achtung hier Endspurt anziehen - dienten Anfang der 80er Jahre zu der Zeit der 1. Flüchtlingskrise in Deutschland als Asylunterkünfte. Später standen sie lange Jahre leer, bevor sie der VfL Osnabrück als Jugendzentrum umfunktionierte.

 

 

 Punkt 12: Die Illoshöhe

 

Die Illoshöhe verdankt ihrem ungewöhnlichen Namen de Bibliothekar und Journalisten Christian Geis(s)ler (1846 – 1901), der 1886 alle Straßen und Plätze der Stadt verzeichnete und die jeweilige Namensherkunft erforschte. Von 1884 bis 1886 war Geisler verantwortlicher Redakteur für den Lokalteil des gerade gegründeten Osnabrücker Tageblattes. Er berichtet nicht nur über lokale Ereignisse, sondern begibt sich auch ab und an auf das Gebiet der Lyrik. Seine Gelegenheitsdichtungen unterzeichnet er mit dem Pseudonym „Illo“. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Illoshöhe zur Zentralen Sportanlage der Stadt entwickelt. Wobei die Planungen in das Jahr 1939 zurückreichen, beseelt vom nationalsozialistischen Monumentalismus. Professor March, der Erbauer des Berliner Olympiastadions, hatte ein Sportfeld entworfen, das noch viel mehr Fläche einnehmen sollte, als der jetzt erreichte Endausbau aufweist.

Eine pompöse Turmanlage, ein Ehrenmal und ein Rondell-Café hätten nach seiner Planung die Zuschauer auf dem Weg in das Stadion mit 2500 Sitz- und 12500 Stehplätzen empfangen. Die Straßenbahnlinie sollte in einer Schleife um die „Kampfbahnen“ herumgeführt werden. Die Nutzung als Aufmarschgelände für politische Kundgebungen - Nürnberg ließ grüßen - stand stets im Hintergrund. Der Papst erlebte 1980 einen Aufmarsch ganz anderer Art. 140000 Pilger sahen ihn und feierten bei strömendem Regen mit ihm die heilige Messe. Dass dabei die Aschenbahn endgültig zertrampelt wurde, war dem städtischen Sportamt nicht unwillkommen. Ein Jahr später hatte das Oval eine moderne Kunststoffbahn – hauptfinanziert vom Bistum.

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